TRAUM & ABENTEUER - die Vortragsreihe in Stuttgart

Live Foto- & Filmshow

Zwei um die Welt

In 80 Tagen ohne Geld


Termin

Dienstag, 20.10.26 | 20.15 Uhr

Theaterhaus
Siemensstr. 11 | 70469 Stuttgart

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Live Foto- & Filmshow

Zwei um die Welt

In 80 Tagen ohne Geld

Von und mit Paul und Hansen Hoepner

In "Zwei um die Welt" berichten Paul und Hansen Hoepner von einer Weltumrundung der besonderen Art. Wie schon Phileas Fogg aus Jules Vernes Buch "In 80 Tagen um die Welt" versuchen sie, in eben dieser Zeit den Erdball zu umrunden. Im Unterschied zu Fogg, der für sein Vorhaben über 20.000 Pfund hatte, haben sie ihr Zuhause in Berlin ohne einen einzigen Cent in der Tasche verlassen. Ihre unglaubliche Reise führt sie durch 18 Länder, von Europa über den amerikanischen Kontinent durch Fernost und Asien und schließlich zurück nach Hause. Warum der Zeitdruck? Warum ohne Geld? Eine Reise ohne Geld macht man nicht alleine, man schafft sie nur mit der Hilfe fremder Menschen, denen man tagtäglich begegnet. Zwangsläufig wird man mit seinen eigenen Vorurteilen konfrontiert, aber unter Zeitdruck hat man nicht den Luxus, diesen nachzugeben, im Gegenteil: Man nutzt jede noch so kleine Chance. Das führt zu besonderen Begegnungen und zu einer Offenheit, die man unter anderen Bedingungen vermutlich nie erleben würde - und bringt Menschen zusammen, die sich sonst nie begegnen würden.

Die Reise zeigt auf beinahe wunderbare Weise, wie hilfsbereit Menschen weltweit sind, egal ob reich oder arm. Sie zeigt, wie nah man Menschen kommen kann, gerade wenn Geld keine Rolle spielt. Ein schönes Kontrastprogramm in Zeiten von Populismus, Fremdenhass und Vorurteilen. Aber wie schafft man das? Neben großem Urvertrauen und Durchhaltevermögen brauchen Paul und Hansen den Mut, oftmals sehr ungewöhnliche Maßnahmen zu ergreifen: Trampen im Flugzeug über den Atlantik? Jobben bei Hells-Angel-Rocker Pete? Witze verkaufen auf der Straße? Up-Cycling aus Fahrradleichen? Schmuck verkaufen auf der Straße in Neu-Delhi? Das ist nur eine kleine Auswahl der Aktionen, die sie teils erfolgreich, teils vergebens unternehmen. Mit vielen Zerwürfnissen, Höhepunkten und auch Niederlagen - dem Scheitern manchmal ganz nah - versuchen sie ihr Ziel zu erreichen. Rasant und turbulent – ein typisches Hoepner-Abenteuer!

»Man kann die irrsten Weltreisen für Millionen von Euro buchen, doch ein Trip, wie ihn Paul und Hansen Hoepner unternommen haben, ist unbezahlbar.« (Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung)


 

INTERVIEW

Interview: Olaf Krüger für TRAUM & ABENTEUER,
© 2026 TRAUM & ABENTEUER. Alle Rechte vorbehalten
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Worin lag für euch die besondere Herausforderung, in 80 Tagen ohne Geld um die Welt zu reisen?
Paul: Die eigentliche Herausforderung war für uns nicht nur, ohne Geld zu reisen – sondern wirklich komplett ohne eigenes Sicherheitsnetz. Also keine versteckten Reserven, keine Kreditkarte für den Notfall, keine Wertgegenstände zum Verkaufen. Wir wollten herausfinden, ob man eine Weltumrundung tatsächlich nur mithilfe anderer Menschen schaffen kann. Und genau das macht die Sache natürlich extrem intensiv. Ohne die Hilfe fremder Menschen wäre diese Reise unmöglich gewesen. Menschen haben uns mitgenommen, uns Essen gegeben, uns auf ihren Sofas schlafen lassen oder uns irgendwie geholfen, den nächsten Kontinent zu erreichen.

Wichtig war uns dabei aber immer: nicht einfach nur zu nehmen. Wir wollten möglichst immer etwas zurückgeben. Deshalb haben wir unterwegs Balkone repariert, auf der Straße Witze erzählt, Schmuck verkauft oder kleine Jobs gemacht, um uns irgendwie die nächste Etappe zu verdienen. Besonders verrückt waren natürlich die großen Kontinentsprünge. Von Lissabon nach Toronto wollten wir ursprünglich sogar über den Atlantik trampen. Klingt erstmal wie eine sehr schlechte Idee – war es wahrscheinlich auch. Am Ende hat es tatsächlich mit einem Flug geklappt, organisiert von Menschen, die unser Projekt unterstützen wollten.

Uns war es aber auch immer wichtig, ehrlich damit umzugehen, dass wir diese Reise natürlich nicht „ohne Kapital“ gestartet haben – zumindest nicht im größeren Sinne. Wir hatten vielleicht kein Geld dabei, aber wir hatten ein enormes Maß an Privilegien und Voraussetzungen, die man leicht übersieht. Wir hatten deutsche Reisepässe, konnten problemlos Visa bekommen, hatten Zugang zu Bildung, konnten mehrere Sprachen sprechen und wussten, wie man sich in unterschiedlichen Situationen bewegt. Dazu kam ein soziales Netzwerk zu Hause: Menschen, die uns im absoluten Notfall wahrscheinlich zurückgeholt hätten. Wir hatten eine Krankenversicherung und generell die Sicherheit, dass hinter uns ein stabiles System steht.

Deshalb würden wir nie behaupten, dass so eine Reise einfach „jeder“ machen könnte. Im Gegenteil: Diese Form von sozialem, kulturellem und politischem Kapital war wahrscheinlich sogar wichtiger als Geld selbst. Und genau das haben wir unterwegs erst wirklich verstanden. Im Kern bestand die Herausforderung also darin, ständig auf andere Menschen zu vertrauen – und gleichzeitig kreativ genug zu sein, immer wieder einen Weg weiterzufinden.

Was erwartet die Zuschauer im Theaterhaus? Worin liegt der besondere Reiz eurer Show?
Paul: Die Zuschauer erwartet definitiv keine klassische „Hier sehen Sie ein paar schöne Urlaubsfotos“-Show. Es geht bei uns eher um eine Mischung aus Abenteuer, Brüdergeschichte, Grenzerfahrung, Selbstironie und sehr vielen komplett absurden Situationen. Es wird viel gelacht – oft auch über uns selbst. Aber es gibt genauso Momente, die ziemlich emotional oder sogar unangenehm sind. Denn die Reise war nicht nur romantisch oder inspirierend. Wir stellen uns in der Show auch ehrlich die Frage, wie moralisch vertretbar so ein Projekt überhaupt ist.

Gerade in ärmeren Ländern hatten wir oft ein schlechtes Gewissen, Hilfe anzunehmen. Da sitzt man plötzlich bei Menschen, die objektiv viel weniger haben als man selbst – und trotzdem teilen sie ihr Essen mit einem. Diese Widersprüche gehören genauso zur Geschichte wie die Abenteuer selbst. Im Kern ist die Show aber vor allem eine Liebeserklärung an Menschen. An Menschen, die uns hunderte Kilometer gefahren haben, obwohl sie gar nicht in die Richtung mussten. Menschen, die uns aufgenommen haben, obwohl sie selbst kaum Platz hatten. Oder Menschen, die uns spontan einen Straßenjob organisiert haben, damit wir irgendwie weiterkommen.

Und natürlich passieren auf so einer Reise permanent Dinge, die einfach komplett grotesk und unglaublich lustig sind. Genau diese Mischung macht für uns den Reiz der Show aus.

Gab es Momente auf dieser Reise, wo euch alles zu viel wurde und ihr ans Aufgeben dachtet?
Paul: Ja. Sehr oft sogar. Interessanterweise haben wir dabei aber etwas gelernt, das erstmal ziemlich kontraintuitiv klingt: Oft ist es einfacher weiterzumachen, als aufzugeben.

Die meisten Menschen denken immer, Aufgeben wäre die leichte Variante. Unsere Erfahrung war häufig genau das Gegenteil. Denn Aufgeben bedeutet ja nicht einfach nur „okay, ich höre jetzt auf“. Man muss diese Entscheidung erstmal treffen, akzeptieren, dass das Projekt gescheitert ist – und dann die ganzen Konsequenzen organisieren. Wir waren irgendwo auf der Welt ohne Geld unterwegs. Aufzugeben hätte bedeutet, plötzlich einen Weg nach Hause finden zu müssen, kurzfristig teure Flüge zu organisieren und komplett den Modus zu verlassen, in dem man monatelang gelebt hat.

Dazu kommt natürlich auch, dass mit dem Scheitern der gesamte Charakter des Projekts verloren gegangen wäre. Persönlich, emotional – aber auch ganz praktisch. Die Besonderheit der Reise wäre plötzlich weg gewesen. Deshalb war es für uns oft tatsächlich einfacher, einfach im selben Modus weiterzumachen und den nächsten Schritt zu gehen. Das klingt erstmal paradox, aber genau so hat es sich angefühlt.

Würdet ihr den Satz „Reisen ist tödlich für Vorurteile, Bigotterie und Engstirnigkeit“ von Mark Twain unterschreiben? Oder wurden auch Vorurteile bestätigt?
Paul: Ja, absolut. Vor allem deshalb, weil Reisen einen dazu zwingt, Menschen differenziert zu betrachten. Vorurteile funktionieren meistens über Schwarz-Weiß-Denken. Reisen macht genau das kaputt. Wir waren zum Beispiel einmal mehrere Tage bei einem Hells-Angels-Rocker untergebracht, dessen Weltbild wir in vielen Punkten überhaupt nicht teilen. Er hatte ein sehr problematisches Frauenbild, ein extremes Verständnis von Männlichkeit und grundsätzlich eine Haltung, die wir oft schwierig fanden. Und trotzdem war dieser Mensch unglaublich großzügig und hilfsbereit zu uns. Das war eine wichtige Erfahrung, weil sie gezeigt hat: Menschen sind fast nie einfach nur „gut“ oder „schlecht“. Jemand kann Ansichten vertreten, die man klar ablehnt – und gleichzeitig unglaublich herzlich und hilfsbereit sein.Das bedeutet natürlich nicht, problematische Einstellungen plötzlich gutzuheißen. Aber Reisen hilft dabei, genauer hinzusehen und Menschen nicht sofort in Schubladen zu stecken.
Genau deshalb würden wir Mark Twain absolut zustimmen.

Gab es eine Begegnung, die euch besonders in Erinnerung geblieben ist?
Paul: Ja, eine ganz besonders. Wir waren damals in Neu-Delhi unterwegs, krank, erschöpft und mental komplett am Ende. Vor allem die extreme Armut dort hat uns sehr zugesetzt. Dazu kam, dass unser weiterer Weg praktisch blockiert war: Über Pakistan und Afghanistan konnten wir nicht sicher reisen, durch Tibet ebenfalls nicht. Wir mussten also fliegen. Und genau das fühlte sich plötzlich vollkommen falsch an. Inmitten dieser Armut Menschen um Hilfe für ein Flugticket zu bitten, erschien uns moralisch kaum vertretbar. Also beschlossen wir aufzugeben. An diesem Abend suchten wir eigentlich nur noch einen Schlafplatz und kamen dabei in einer muslimischen Enklave mit Straßenverkäufern ins Gespräch. Wir erzählten ihnen, dass wir abbrechen wollen. Und sie sagten einfach: „Ihr könnt jetzt nicht aufgeben.“ Diese Menschen, die selbst kaum Geld hatten, organisierten uns einfach ein Flugticket. Ohne großes Drama. Ohne Diskussion. Sie wollten einfach, dass wir weitermachen. Gleichzeitig sagten sie aber: „Wenn ihr wollt, könnt ihr versuchen, das Geld später wieder zu verdienen.“ Und genau das haben wir getan. Zusammen mit einem Drahtschmied stellten wir Schmuck her und verkauften ihn anschließend im touristischen Teil der Stadt. Am Ende hatten wir fast den kompletten Flugpreis wieder eingespielt.
Das war wahrscheinlich einer der emotionalsten Momente der gesamten Reise.

Was macht ihr, wenn ihr nicht auf Reisen seid? Ganz normale Berufe sind es wahrscheinlich eher nicht.
Paul: Ich, also Paul, arbeite inzwischen vor allem sehr praktisch und handwerklich in meiner Werkstatt in Berlin. Ich entwickle Kunst- und Setdesign-Projekte, baue technische Prototypen, arbeite mit Holz, Stahl, Elektronik, Programmierung und Mechatronik – eigentlich alles, was spannend genug ist und sich noch als kleine One-Man-Show oder in kleinen Teams umsetzen lässt. Mich reizt besonders die Kombination aus klassischem Handwerk und digitalen Technologien. Das kann alles sein: von Stahlbau über App-Entwicklung bis hin zu interaktiven Installationen oder mechatronischen Systemen. Außerdem arbeite ich gerade an einem eigenen Projekt, über das ich noch nicht allzu viel verraten möchte. Aber es geht um eine neue Form von 3D-Druck mit Holz – und dafür wird es wahrscheinlich bald einen ersten Prototypen geben. Mein Bruder lebt inzwischen mit seiner Freundin in Maastricht und arbeitet ebenfalls viel praktisch und handwerklich, unter anderem im Bereich Produktdesign und als Hausmeister. Und ehrlich gesagt überlegen wir wahrscheinlich beide permanent neue verrückte Projekte.

Kleiner Ausblick: Gibt’s schon Ideen für weitere außergewöhnliche Reise-Projekte?
Paul: Leider viel zu viele. Ein Projekt, das wir unbedingt noch umsetzen wollen, ist eine sechsmonatige Winterreise quer durch Alaska mit einem selbstgebauten, pedalbetriebenen Amphibienfahrzeug namens „Urmel“. Der erste Prototyp war tatsächlich schon fast fertig, dann kam allerdings Corona dazwischen und später auch das echte Erwachsenenleben. Denn inzwischen habe ich zusammen mit meiner Frau eine kleine Tochter – und plötzlich plant man sechs Monate Alaska etwas anders als früher. Trotzdem wollen wir das Projekt langfristig unbedingt noch umsetzen.

Ein anderes Projekt haben wir inzwischen bereits abgeschlossen: Gemeinsam mit meiner Frau, meiner Tochter, meinem Bruder und seinem weißen Schäferhund sind wir mit einem selbst elektrisch umgebauten Segelboot von Berlin bis nach Athen gefahren. Das Boot hatte riesige ausfahrbare Sonnensegel und sah von oben fast aus wie ein Satellit. Wir sind damit weitgehend elektrisch über Rhein, Main und Donau bis ins Schwarze Meer und weiter bis nach Griechenland gefahren. Und darüber hinaus gibt es eigentlich ständig neue Ideen. Wir haben vermutlich einfach ein grundsätzliches Problem damit, längere Zeit keine Abenteuerpläne zu schmieden.

 

 

Zur Person

Paul und Hansen Hoepner

PAUL HOEPNER, am 6. April 1982 in Singen am Hohentwiel geboren, hat nach dem Abitur ein Jahr in Australien verbracht, anschließend Mediendesign in Köln studiert und in Berlin als Web- und App-Konzeptioner gearbeitet. 2014 schloss er den Studiengang »Human Factors« an der TU Berlin ab.

HANSEN HOEPNER, fünf Minuten vor seinem Bruder Paul geboren, studierte an der Akademie für Bildende Künste Maastricht Produktdesign, Goldschmiede und Fotografie. Seit 2014 arbeitet er an dem Kreativprojekt »KAOS« (www.kaosberlin.de) mit und hat sich dort mit einer Werkstatt für Goldschmiede und Produktdesign selbstständig gemacht.

Trotz identischer DNA sind die Zwillingsbrüder grundverschieden, doch ihre gemeinsamen Abenteuer schweißen sie auf ungewöhnliche Weise zusammen. Zusätzlich zu ihren Abenteuern verstärken Paul und Hansen derzeit das Team von Business by Nature als Entwickler und Erfinder. In diesem Rahmen sind sie Mitbegründer des Innovation Lab littlebigInnovation, in dem sie nachhaltige Zukunftsprodukte in partizipativer Zusammenarbeit mit Kindern und Jugendlichen entwickeln.